Absorption
Edelsteine absorbieren Teilbereiche aus dem Spektrum des weissen Lichts (= alle Spektralfarben). Die verbleibenden Wellenlängen des Spektrums haben dann für unser Auge einen bestimmten Farbeindruck. So erscheint uns z.B. ein Smaragd in einem bestimmten Grün oder ein Rubin in seinem individuellen Rot.

Amorph
Im Gegensatz zu Kristallen eine gestaltsloser (ungeordneter) innerer Aufbau, z.B. bei Gläsern, Bernstein u.a.m.

Asterismus
Der Sterneffekt: Ein seidig schimmernder Stern scheint über der Oberfläche eines mugelig geschliffenen (Cabochon, Kugel) Edelsteins zu schweben. Er wird durch die Reflektion des Lichtes an orientierten Lagen von eingelagerten, nadelförmigen Kristallen oder Hohlkanälen ausgelöst. Sind es 3 Orientierungen so ist der Stern sechsstrahlig, z.B. bei Stern-Saphiren und -Rubinen. Sind es 2 orientierte Lagen, so ist der Stern vierstrahlig, z.B. Stern-Dioptas.

Brillanz
Bezeichnung für die Lebhaftigkeit eines Edelsteines, der bei korrektem, gutem Schliff basierend auf Lichtbrechung und Totalreflexion so viel als möglich von oben einfallendes Licht wieder nach oben zurück abgibt.

Bruch
Aussehen einer Bruchfläche: muschelig, splittrig, uneben u.a.m. Nicht zu verwechseln mit einer Spaltfläche!

Carat
Stammt vom griechischen "keratio" = Johannisbrotbaum oder vom lateinischen "keratonia siliqua", ebenfalls Johannisbrotbaum. Dessen getrocknete Samenkörner dienten früher als Gewichtseinheit für Edelsteine. Heute "metrisches Carat" - 1 Carat, abgekürzt 1 ct, = 0,2 g. Nicht zu verwechseln mit dem "Karat", der früheren Angabe bei Goldlegierungen.

Dichroismus
Farbige, einachsige Kristalle (hexagonal, tetragonal, trigonal) zeigen in verschiedenen Richtungen zum Teil kräftige Farbunterschiede. Diese liegen in der Richtung der optischen Achse und senkrecht dazu. Gute Beispiele sind u.a. Turmalin und Saphir.

Dichte
siehe spezifisches Gewicht.

Dispersion
So wird die Aufteilung des weissen Lichtes in seine farbingen Bestandteile genannt, also in seine Spektralfarben. Sie wird gemessen an dem Unterschied der Lichtbrechungen für die B-Linie und für die G-Linie des Sonnenspektrums. Auf der Dispersion begründet sich neben der Brillanz (Auswirkung von Lichtbrechung und Totalreflexion) der Edelsteinwirkungen, welche oft auch landläufig als "Feuer" bezeichnet werden.

Doppelbrechung
Amorphe und kubisch kristallisierende Stoffe sind einfachbrechend, die anderen Kristalle dagegen doppelbrechend. Dies bedeutet, dass ein einfallender Lichtstrahl in zwei polarische Strahlen aufgespalten wird, deren Schwingungsrichtungen senkrecht aufeinander stehen. Ihre Lichtbrechung wird durch zwei Werte gekennzeichnet, nämlich durch den ordentlichen Strahl und durch den ausserordentlichen Strahl. Die Differenz beider Werte gibt die Grösse der Doppelbrechung an. Die hexagonalen, trigonalen und tetragonalen Kristalle sind optisch einachsig und in Richtung der optischen Achse einfachbrechend.

Die rhombischen, monoklinen und triklinen Kristalle sind optisch zweiachsig und in Richtung jeder der beiden optischen Achsen einfachbrechend. Sonst wird ihre Lichtbrechung durch drei Werte gekennzeichnet, nämlich durch den kleinsten, durch den mittleren und den grössten. Die grösste Differenz ergibt wieder das Ausmass der Doppelbrechung. - An Edelsteinen mit grosser Doppelbrechung, z. B. Zirkon oder genügend dicker Peridot, kann diese bereits beim Betrachten mit der Lupe durch die Verdoppelung der rückwärtigen Facettenkanten erkannt werden.

Drillinge
Drei Kristalle der gleichen Art, die gesetzmässig miteinander verwachsen sind.

Einschlüsse
Fremdkörper in den Edelsteinen. Sie sind präexistent, wenn sie bereits vor der Entstehung des Edelsteins vorhanden waren und bei dessen Wachstum von ihm umschlossen wurden. Beispiele geben die Anwesenheit von Olivin oder Granat in Diamant oder auch von Tremolit in bestimmten Smaragden.

Syngenetische Einschlüsse sind gleichzeitig mit dem sie umgebenden Edelstein entstanden. Beispiele sind negative Kristalle im Rubin, Wachstumsröhren im Aquamarin, Flüssigkeits- und Dreiphasen-Einschlüsse im Smaragd sowie ein grosser Teil der Heilungsrisse, wie sie in vielen durchsichtigen Edelsteinen auftreten. Meistens handelt es sich bei Ihnen um Sprünge, die durch zu schnelles Wachsen entstanden sind und die noch während des Weiterwachsens der Wirtkristalls zum grössten Teils wieder ausheilten. Die zurückgebliebenen Resttröpfchen (mit und ohne Libelle, evtl. auch noch mit einem kleinen Kristalleinschluss) bilden den "unverdaulichen Rest" der in des Riss eingedrungenen Nährlösung und zeigen den unregelmässigen Verlauf des ehemaligen Risses an (Flüssigkeitsfahnen). Verlief der Riss parallel einer Spaltfläche, so ist der spätere Heilungsriss vollkommen eben ausgebildet. Beispiele hierfür liefert u.a. der Topas.

Feuer
Landläufige Bezeichnung des farbigen Anteils der Brillanz, beruhend auf der Dispersion eines Edelsteins.

Fluoreszenz
Nach dem Fluorit oder Flussspat benannt, an dem das Aufleuchten bei der Bestrahlung mit UV (ultraviolettem Licht) oder mit Röntgenstrahlen zuerst beobachtet wurde.

Härte
Härtereihe,  bei der jeweils ein Mineral von dem nächst folgenden geritzt wird.

Heilungsrisse
Sind in der Mehrzahl der Fälle beim zu schnellen Wachsen des betreffenden Kristalls entstandene Risse. Sie standen aber weiter im Kontakt mit der Nährlösung und konnten dadurch teilweise ausheilen. Meistens enthalten sie Flüssigkeits- (Zweiphasen-) Einschlüsse, deren Anordnung den Verlauf des ehemaligen Risses anzeigt. In anderen Fällen enthalten sie kleine und kleinste Fremdkristalle. Es gibt auch Spaltrisse oder Spannungsrisse in der Spaltrichtung, die später teilweise ausheilten und einen ebenen Verlauf nehmen.

Interferenz
Lateinisch "Störung", ist das gegenseitige Verstärken oder Schwächen zweier in gleicher Richtung verlaufener Lichtstrahlen, wenn sie sich in verschiedenen Schwingungsphasen befinden. Die "Interferenzfarben", wie sie die "Farben dünner Blättchen" darstellen, entstehen durch die Interferenz des Lichtes: Die an der Vorder- und Rückseite des Blättchens reflektierenden Lichtstrahlen durchlaufen verschieden lange Wege und interferieren bei Zusammentreffen.

Katzenauge Der Linieneffekt, auch Chatoyance: Eine seidig schimmernde Linie scheint über der Oberfläche eines mugelig geschliffenen (Cabochon, Kugel) Edelsteins zu schweben. Sie wird durch die Reflektion des Lichtes an einer orientierten Lage von eingelagerten, nadelförmigen Kristallen oder Hohlkanälen ausgelöst. Die Lichtlinie ist im 90-Grad-Winkel zur Orientierung der Einschlüsse ausgerichtet. Beispiele: Turmalin-, Chrysoberyll- oder Quarz-Katzenauge.

Kristall
Die regelmässige und gesetzmässige Anordnung der festen Materie in sog. "Raumgittern". Die Kristalle sind oft durch ebene Kristallflächen begrenzt, deren Anordnung Rückschlüsse auf ihre Symmetrie erlaubt. Auf Grund ihrer Symmetrie werden 7 Kristallsysteme mit 32 Kristallgruppen und insgesamt 230 Raumgruppen unterschieden.

Das kubische Kristallsystem bezieht die Kristallflächen auf ein räumliches Achsenkreuz aus drei Achsen, die senkrecht aufeinander stehen und gleich lang sind. Beispiele: Diamant und Granat.

Im tetragonalen System werden die Kristallflächen auf drei senkrecht aufeinander stehende Achsen bezogen, von denen zwei gleich lang sind, während die dritte (Vertikalachse) kürzer oder länger ist. Tetragonale Kristalle haben oft einen quadratischen Querschnitt. Beispiel: Rutil.

Im hexagonalen Kristallsystem sind drei gleichlange Bezugsachsen in einer Ebene vorhanden, die Winkel von 120° (bzw. 60°) miteinander einschliessen. Senkrecht zu ihnen und durch ihren Schnittpunkt verläuft eine vierte Achse (Haupt- oder c-Achse), die kürzer oder länger sein kann und die sechszählig ist. Hexagonale Kristalle haben oft einen sechsseitigen Querschnitt. Beispiel: Beryll.

Das trigonale System hat das gleiche Achsenkreuz wie das hexagonale, nur ist die Hauptachse dreizählig. Trigonale Kristalle können einen drei-, aber auch einen sechsseitgen Querschnitt haben. Beispiele: Turmalin, Saphir und Rubin.

Im rhombischen System besteht das Achsenkreuz aus drei, senkrecht aufeinander stehenden Achsen, die aber verschieden lang sind. Rhombische Kristalle zeigen oft als Querschnitt einen Rhombus. Beispiele: Peridot und Topas.

Das Achsenkreuz des monoklinen Systems wird durch zwei verschieden lange und sich schiefwinkelig schneidende Achsen gebildet, auf denen eine dritte Achse senkrecht steht. Beispiele: Malachit, Brasilianit und Spodumen.

Das trikline Achsenkreuz besteht aus drei verschieden langen und sich schiefwinkelig schneidenden Achsen. Beispiele: Türkis und Labradorit.

Fast alle Edelsteine bilden Kristalle, sind also kristallisiert. Das Gegenteil ist der nicht kristallisierte oder der "amorphe" Zustand, wie er bei Bernstein, Opal, Glas usw. vorhanden ist.

Lichtbrechung Meist mit "n" bezeichnet, ist das Verhältnis der Lichtgeschwindigkeit in Luft (rd. 300000 km/sec.) zur Lichtgeschwindigkeit im Stein (z. B. im Diamant 124100 km/sec., daher für diesen n = 2,42). Mit der Verringerung der Geschwindigkeit des Lichtes beim Eintritt in den Stein erfolgt bei schrägem Auftreffen auch eine Ablenkung des Lichtes und zwar zum Einfallslot hin.
Aus dieser Richtungsänderung lässt sich der Wert der Lichtbrechung berechnen und zwar aus dem Verhältnis des Sinus des Einfallwinkels (= Winkel zwischen dem Einfallslot und dem einfallenden Strahl) zum Sinus des Berechnungswinkels (=Winkel zwischen dem Einfallslot und dem gebrochenen Strahl).
In der Praxis bedient man sich zur Messung der Lichtbrechung bis zu einem Wert von n = 1,81 dem Instrument Refraktometer, wobei direkt abgelesen werden kann. Das Prinzip benützen z.B. auch Winzer um den Öchslegrad eines Tropfen Traubensaftes/Weines zu ermitteln.
Im allgemeinen wird die Lichtbrechung für gelbes Licht angegeben.

Lumineszenz
So wird das Leuchten eines angeregten Materials genannt. Siehe auch Fluoreszenz und Phosphoreszenz.

Optische Eigenschaften
In der Rubrik der optischen Eigenschaften spielen viele Faktoren eine wichtige Rolle: Transparenz, Glanz, Lichtbrechung und Farbe.
Transparente Farbedelsteine lassen den größten Teil der Lichtstrahlen ungehindert passieren. Durch opake Farbedelsteine dringt kein Licht, so dass man nicht hindurchsehen kann.
Der Glanz der Farbedelsteine entsteht durch die Reflexion der Lichtstrahlen an den Oberflächen. Häufig findet sich bei durchsichtigen Farbedelsteinen Glasglanz, wobei die Intensität mit der Mineralienart variiert. Ein perfekter Schliff und eine perfekte Politur erhöhen den Glanz.
Anhand der Lichtbrechung kann ein Farbedelstein bestimmt werden, da jede Mineralienart einen typischen Lichtbrechungsindex aufweist. In der Praxis genügt meist die Feststellung des Berechnungsindex mittels Refraktometer zur Unterscheidung echter Edelsteine von Glasimitationen und synthetischen Steinen (Synthesen).
Mit der Farbe des Edelsteines steigt dessen Wert. Somit werden einige Farbedelsteine durch z. B. Wärmebehandlung farbverbessert, um den Wert zu erhöhen. Eine Kennzeichnung behandelter Farbedelsteine ist meist nicht vorgeschrieben. Die Varietäten des Topas müssen seit einiger Zeit als behandelt gekennzeichnet werden.

Phosphoreszenz
Benannt nach dem Leuchten von gelbem Phosphor im Dunkeln, ist das Nachleuchten eines vorher bestrahlten Materials.

Pleochroismus
Oberbegriff für Dichroismus (Zweifarbigkeit) und Trichroismus (Dreifarbigkeit).

Refraktometer
Ist ein Instrument zur Messung der Lichtbrechung. Es beruht auf der Ermittlung des Grenzwinkels der Totalreflexion.

Spaltbarkeit
Ist die mehr oder weniger stark ausgeprägte Fähigkeit der Kristalle, sich nach Flächen, die durch ihre Lage im Kristallgitter dazu geeignet sind, spalten zu lassen. Begreiflicherweise ist diese Eigenschaft bei Edelsteinkristallen wenig erwünscht. Als Vergleich könnte man z.B. Holz anführen, welches sich auch nur nach seinen Wachstumslagen spalten lässt.

Spektroskop
Es zerlegt weisses Licht in seine farbigen Bestandteile, in die Regenbogen- oder Spektralfarben. Hierzu werden Glasprismen (Prismenspektroskop) oder sehr viele, äusserst feine in Glas oder in Metall geritzte Linien (bis über 1000 auf 1 mm), die ein Beugungsgitter bilden, benutzt (Gitterspektroskope). In den von Edelsteinen erhaltenen Spektren werden Absorptionslinien (Wellenlängen, welche vom Edelstein mehr oder minder absorbiert werden.) zu ihrer Bestimmung ausgewertet.

Spezifisches Gewicht
Auch "Dichte" genannt, ist das Gewicht eines Kubikzentimeters des betreffenden Materials in Gramm. Es hat die Bezeichnung g/cm3. Da 1 cm3 Wasser bei 4° Celsius 1 g wiegt, gibt das spezifische Gewicht auch an, wieviel mal schwerer ein Körper ist als die gleiche Menge Wasser bei 4° Celsius.

Totalreflexion
Bedeutet die vollkommene Spiegelung des Lichtes. Sie tritt ein, wenn Licht im Innern eines durchsichtigen Materials gegen eine Begrenzungsfläche fällt unter einem Auffallwinkel (= Winkel zwischen Lichtstrahl und Einfallslot), der grösser ist als der Grenzwinkel der Totalreflexion. Solches Licht wird wieder in das Innere des Materials zurückgeworfen. Von dieser Tatsache macht z.B. der Brillantschliff Gebrauch. Sein Unterteil dient zur "Rückspiegelung" des im Oberteil eingefallenen Lichtes. - Der Grenzwinkel der Totalreflexion ist von der Lichtbrechung abhängig; er wird mit steigender Lichtbrechung kleiner. Im Refraktometer dient er zur Messung der Lichtbrechung.

Trichroismus
Farbige, zweiachsige Kristalle (rhombisch, monoklin, triklin) zeigen in verschiedenen Richtungen zum Teil kräftige Farbunterschiede. Diese liegen in 3 Richtungen im Kristall orientiert. Gute Beispiele sind u.a. Topas, Chrysoberyll und Tansanit

Ultraviolettes Licht (UV)
Es liegt jenseits des violetten Teils des sichtbaren Spektrums und ist unsichtbar. Es beginnt etwas unterhalb von 4000 Angstöm und ist wichtig für die Beobachtung der Fluoreszenzerscheinungen bei der Bestimmung von Edelsteinen. Dazu werden die Bereiche des langwelligen UV (3650 Angström) und des kurzwelligen UV (2537 Angström) benutzt.
Auch die Durchlässigkeit bzw. Undurchlässigkeit für kurzwelliges UV kann zur Unterscheidung herangezogen werden. Beispielsweise ist der synthetische "Kashan-Rubin" für kurzwelliges UV durchlässig, der natürliche Rubin dagegen nicht.

Zonarstruktur
Aufbau eines Kristalls aus Schichten verschiedener Färbung (z. B. Rubin) oder etwas unterschiedlicher Lichtbrechung (z. B. Smaragd).

Zwillinge
Eine Verwachsung zweier gleicher Kristalle nach bestimmten Gesetzen. Man kennt Berührungszwillinge, Durchdringungszwillinge, Wendezwillinge und Zwillingslamellen. Die letzten werden auch als eine "polysynthetische" Zwillingsbildung bezeichnet. Diese kommt häufig bei den Korunden vor. - Drillinge sind die gesetzmässige Verwachsungen von 3 gleichen Kristallen. Ein Beispiel bietet der Chrysoberyll.